Von Gut und Böse

Ägypten übt die Revolution gegen Staatspräsident Mubarak. Das ist sicherlich ein interessantes Thema, interessanter finde ich aber, wie sich Sprache im Eiltempo wandelt – und es angenommen wird, als wäre es nie anders gewesen.

So wurde aus Staatspräsident Mubarak im medialen Sprachgebrauch schnell der Diktator oder Despot Mubarak, aus seiner Regierung ein Regime, aus dem verläßlichen Staat ein Unrechtsstaat. Und keiner scheint diesen plötzlichen Wandel zu bemerken (oder bemerken zu wollen?). Es erinnert ein wenig an das Wahrheitsministerium in Orwell’s Roman 1984 (ja, ich hasse Orwell auch!). Die Geschichte wird angepasst an die aktuellen Gegebenheiten – der Freund von heute kann morgen der Feind sein.

Als Videospieler erinnert mich das noch an etwas anderes: Metal Gear Solid: Snake Eater. Hier offenbart The Boss ja einigen Unmut über ähnliche Umstände. Soldaten aus Nationen, die heute noch Seite an Seite kämpfen und morgen sich als Feinde gegenüberstehen. Eine Auffassung, die Naked Snake, der spätere Big Boss, dann ja auch übernimmt und daraus seine eigenen Konsequenzen zieht.

Zitat von The Boss:
Just because soldiers are on the same side right now doesn’t mean they always will be. Having personal feelings about your comrades is one of the worst sins you can commit. Politics determine who you face on the battlefield. And politics are a living thing. They change along with the times. Yesterday’s good might be tomorrow’s evil.

Zitat von The Boss:
People’s values change over time. And so do the leaders of a country. So there’s no such thing as an enemy in absolute terms. The enemies we fight are only in relative terms, constantly changing with the times.

Bin ja mal gespannt, aus welcher Regierung demnächst ein Regime wird… und ob ein Regime vielleicht auch wieder zu einer Regierung werden kann oder darf. Willkommen in der lustigen Welt von Gut und Böse – willkommen im Wahnsinn!


2 Kommentare zu “Von Gut und Böse

  1. Den Bezug zu Videospielen, und dort insbesondere zu Metal Gear Solid, finde ich passend.

    Bei Metal Gear Solid ging es seit dem 1. Teil um genau solche Umstände. Aufgrund der (aktuellen) Anlässe sieht man die dort erwähnten Sachen anders bzw. man denkt, sie sind nicht so fiktiv wie sie beim “normalen zocken” scheinen.

    Wenn wir schon beim Thema sind: Ich finde die Darstellung der Situation und des Krieges in MGS 4 sehr krass. Speziell meine ich Die Art des Krieges, der in diesem Teil dargestellt wird. Dort wird mit der Thematik “Gut und Böse” noch krasser umgegangen. Es gibt weder noch, prinzipiell gibt es nur Geld und (wirtschaftliche) Macht.

    Wie Old Snake schon sagte (sinngemäß — weiß nicht mehr, ob es der O-Ton war): “War has changed”.

  2. MGS 4 ist die logische Konsequenz aus dem, was in den vorherigen Teilen erzählt wurde. Wie Raiden in MGS 2 schon fragte: “Er [Solid] ist hier, weil er hier sein will. Aber warum bin ich hier?” – es gab immer einen Grund zu kämpfen, es gab immer einen Grund für Kriege. Liquid etwa wollte diesen Status Quo erhalten, indem er eine Welt schafft, in der Soldaten immer einen Platz zum Kämpfen haben werden. In MGS 4 ist das im Grunde erreicht, War has changed. Gerade darum fand ich den Text bei der Einleitung von MGS 4 so genial, halt das es nicht mehr um Nationen, Profite und dergleichen ginge, sondern es einfach nur noch Stellvertreter-Kriege sind. Kriege, die man kontrollierte. Alles mit ID-Tags versehen, mit Nanomaschinen kontrolliert und überwacht. Hier passt übrigens auch wieder das, was der Joker in The Dark Knight sagte: Es ist bereits alles eingeplant, Krankheit, Sterben. Es gibt nichts unerwartetes. Was aber, wenn diese starren Pläne und deren Pläneschmieder auf etwas stoßen, was nicht in der Rechnung enthalten ist? Dann entsteht Chaos.

    DAS ist doch auch der wahre Grund, weswegen jetzt alle mit dem Ergebnis in Ägypten zufrieden sind: Auch so eine Revolution ist bis zu einem gewissen Grad eingeplant, kontrollierbar. Was wäre aber passiert, hätten die Proteste diese geordnete Schwelle übertreten? Chaos.

    MGS passt aber noch durch etwas anderes als diesen Aspekt als Vergleich: Es ging darin auch immer um die Weitergabe von Informationen und wie sichergestellt wird, dass diese intakt bleiben. Und wie man sicherstellt, dass sie korrekt sind. Gerade in MGS und MGS 2. Und auch darum, wie Geschichte verändert wird. Dazu zählt eben auch der allgemeine Sprachgebrauch, in dem eine Regierung, ein verbündeter Staat, plötzlich zu einem Regime wird, einem Unrechtsstaat.

    Der komplette Text aus der Einleitung von MGS 4 lautet übrigens:
    It’s not about nations, or ideologies.
    It’s not even about profit, resources, or ethnicity.
    It’s an endless series of proxy battles,
    fought by mercenaries and machines.

    War, and its vast consumption of human life,
    has become a rational, well-oiled business transaction.
    War has changed.

    ID-tagged soldiers carry ID-tagged weapons,
    use ID-tagged gear.
    Nanomachines inside their bodies
    enhance and regulate their actions.

    Genetic control.. Information control..
    Emotion control.. Battlefield control.
    Everything is monitored, and kept under control.
    War has changed.

    The age of deterrence is now the age of control,
    averting catastrophe from weapons of mass destruction.
    And he who controls the battlefield, controls history.
    War has changed.

    When the battlefield is under total control,
    war becomes routine.
    War has changed.