Was Synergie ist, habe ich ja bereits demonstriert. Wie man dies auf die Spitze treibt, zeigt uns dagegen der Meister: Die IDG-Wolke, manifestiert in der Form der Webseiten GamePro.de und GameStar.de. Und das sogar, sind ja immerhin zwei Seiten, gleich mit zwei Rezensionen der letzten Zeit, nämlich zu den Spielen Homefront und Crysis 2.
Die Homefront-Rezension wurde verfasst von Markus Schwerdtel und Fabian Siegismund. Ersterer gehört zur GamePro-Redaktion, zweiterer zur GameStar-Redaktion. Und so findet sich der Artikel auch auf beiden Seiten wieder. Markus Schwerdtel erklärt zur Entstehung dieses Werkes:
Zitat:
Sowohl Fabian als auch ich haben Homefront durchgespielt. Dann haben wir lang über das Spiel diskutiert und dabei auch noch etliche Kollegen zu Rate gezogen, die den Titel ebenfalls gespielt haben. Dann hat Fabian den Solomodus-Text geschrieben und ich die Absätze über den Multiplayer-Modus (den man auf Konsolen einfach schon früher vernünftig testen konnte als auf dem PC).
Quelle:
GamePro-Forum, Homefront – Test, #11
Eine ähnliche Antwort gibt Kai Schmidt zur Entstehung der Rezension zu Crysis 2, verfasst von Thomas Wittulski (Redakteur für die IDG-Cloud) & Fabian Siegismund:
Zitat:
Der Text stammt ursprünglich von Fabian, Thomas hat ihn für uns überarbeitet, da er das Spiel auch durchgezockt hat. Und natürlich sind in den Artikel die Erfahrungen beider Redakteure eingeflossen, da sie sich über das Spiel rege ausgetauscht haben.
Quelle:
GamePro-Forum, Crysis 2 – Test, #31
So, und jetzt sage ich nochmal, was ich schon im Thread zur Homefront-Rezension geschrieben habe (Synergie, ihr wisst schon, nachlesen könnt ihr es hier): Das ist für’n Arsch! Nett formuliert ist das ein Meinungs-Eintopf – man nimmt zwei Meinungen, schmeißt sie in einen Topf, rührt um und was rauskommt, ist dann der Artikel samt Bewertung. Aber was sagt der noch aus? Ich kann als Leser nicht mehr erkennen, welches Teil dieses Stückwerkes von welcher Person stammt – und sage mir keiner, dass nicht im Text immer auch ein Stück Subjektivität mitschwingt. Angenommen, ich finde die Steuerung gelungen, meinem “Mit-Tester” ist sie dagegen ein wenig zu schwammig – was wird dann draus?
Offensichtlich hat die GamePro eine andere Auffassung von Meinung als ich. Wenn ich für GameRadio.de einen Artikel verfasse, dann gibt der meine Meinung wieder, meine Einschätzung des Spieles. Für die GamePro heisst Meinung Konsens. Und nun sagt mir, wer da etwas falsch verstanden hat. Will ich wissen, auf welche Meinung sich zwei Redakteure geeinigt kriegen… oder will ich wissen, was der einzelne denkt?
Dabei kann die Lösung so einfach sein. Und ich habe sie schon mehrmals im GamePro-Forum erklärt, zuletzt bei der Homefront-Rezension (hier). Ich zitiere also mal mich selber:
Zitat:
Einer schreibt den Artikel. Es sollte dabei hervorgehen, welche Version er gespielt hat. Der Artikel sollte einigermaßen neutral bleiben, ein wenig Subjektivität lässt sich aber nunmal nicht verbergen. Das ist okay! Dieser Tester, der das Spiel auch am weitesten gespielt haben sollte, verfasst seinen Meinungskasten (der vor Subjektivität nur so sprießen darf!) und vergibt auch die “offizielle” Wertung. Es ist SEIN Artikel, SEINE Meinung und SEINE Wertung. Jeder andere Redakteur, der das Spiel auch gespielt hat, egal auf welcher Plattform (was aber ersichtlich gemacht sein sollte, etwa durch ein “Bei der PS3-Fassung ist es dagegen so, dass…”), kann dann einen Meinungskasten mit SEINER Meinung und SEINER Wertung dranhängen.
Das funktioniert bei GameRadio problemlos. Nehmen wir als Beispiel
Dissidia 012 [duodecim] Final Fantasy: Getestet hat es Jens. Von ihm ist der Artikel, der SEINE Meinung enthält. Ebenso das Fazit und damit die “offizielle” Wertung. Ich habe dem Artikel einen Meinungskasten beigesteuert, weil ich das Spiel auch hier liegen habe und auch etwas dazu sagen wollte. Nämlich MEINE Meinung. In dem Fall geht sie mit der von Jens konform und wir kamen (unabhängig voneinander!) zur gleichen Wertung – Zufall, sicherlich. Ein anderes Beispiel stellt
Dragon Age 2 dar: Getestet hat es Jan, von ihm ist der Artikel, sein Fazit und die offizielle Wertung. Dies ist seine, ihm ungenommene, alleinige Meinung. Dem hat Sören ein Fazit beigefügt, in dem er dem Spiel 6% weniger gibt – eben seine Meinung. Teilweise gibt es auch Spiele, wo die Meinungen komplett auseinander gehen. Ich denke da gerade an
Bioshock: Karl vergab damals ein “Okay”, weil ihm das Spiel im Vergleich zum spirituellen Vorgänger (
System Shock 2) nicht gefiel – Michael, Chris und Benjamin fanden es Ausgezeichnet. Da kann man über Karls Meinung sicherlich streiten (sage selbst ich als großer
System Shock 2-Fan!), aber genau das macht eben eine Meinung aus. Man kann sie akzeptieren oder ablehnen, man kann darüber diskutieren, streiten… diskutieren.
IDG jedoch liefert lieber eine weichgespülte Meinungslosigkeit. Und das ist stinklangweilig!
PS: Will ich einen Meinungsdurchschnitt, schaue ich auf metacritics.com oder critify.de.