Mathematik für Fortgeschrittene, Teil I

geschrieben von PhanZero am 7. Juni 2010 um 18:36 Uhr

Unter dem Titel Junge Männer bevorzugen „Hotel Mama“ bringt der Focus eine Studie über das Wohnverhalten der Bevölkerung. Dort heisst es:

Zitat:
Frauen binden sich auch früher: Jede vierte erwachsene Frau unter 27 Jahren lebt in einer Ehe oder Lebensgemeinschaft. Bei den gleichaltrigen Männern sind es nur zwölf Prozent. Unabhängig vom Geschlecht lebt jeder Fünfte dieser Altersgruppe allein. Auch im mittleren Alter (27 bis 59 Jahre) sind Männer häufiger Singles als Frauen: Fast jeder vierte Mann dieser Altersgruppe lebt allein, aber nur 15 Prozent der Frauen. Bei den Senioren ist das Verhältnis umgekehrt: 41 Prozent der Frauen der Gruppe 60 plus wohnen allein, aber nur 17 Prozent der Männer. Dabei sind fast drei Viertel der Frauen und fast jeder zweite Mann verwitwet.

Quelle: Focus Online

Nehmen wir also erstmal die Gruppe unter 27 Jahren: Jede vierte erwachsene Frau (=25%) lebt in Ehe oder Partnerschaft, aber nur 12% der Männer. Davon ausgehend, dass das Verhältnis Mann:Frau in Deutschland etwa ausgeglichen ist (und sogar eher zu einem Frauenüberschuss tendiert) würde das bedeuten, dass 13% der Frauen unter 27 Jahren zwar in Ehe oder Partnerschaft leben, aber nicht mit einem Mann. Blieben gleichgeschlechtliche Beziehungen – 13% der Frauen unter 27 Jahren sollen also lesbisch sein? Halte ich für gewagt, die These – zumal bei den 12% der Männer ja auch Schwule eingerechnet sein müssten.

Und in den anderen Altersgruppen soll es ähnliche Diskrepanzen geben? Unwahrscheinlich, sehr sehr unwahrscheinlich. Was sagt diese Statistik also nun aus? Richtig: Nichts.

Und in der nächsten Lektion: Rechnen mit der Bundesregierung.

2 Kommentare zu “Mathematik für Fortgeschrittene, Teil I”

  1. Obi-Twice

    Die Statisktik muss doch gar nicht so verkehrt sein. Frauen unter 27 Jahren können ja in Beziehung mit älteren Männern sein, daher fallen diese (Männer) nicht unter die Zahl der U27-Männer, was die geringen 12% ausmachen würde. Umgekehrt bedeutet es auch, dass sich Männer erst im höheren Alter binden.

    Das ist ja auch das Fazit der Statistik: Frauen binden sich früher als Männer.

  2. PhanZero

    Die Überlegung hatte ich auch schon: Junge Frauen -> Männer mittleren Alters; Frauen mittleren Alters -> Männer höheren Alters. Frauen höheren Alters -> Witwe. Das würde zur Statistik passen. Hab bei der Recherche übrigens einen anderen Blog gefunden, der da auch drüber gestolpert ist – der hatte noch die Theorie, dass “Alleinerziehende” nicht als “Single” gezählt wurden (was sie faktisch ja sind).

    Wie bei jeder Statistik hängt das Ergebnis halt stark davon ab, wenn man befragt und wie die Fragestellung aussieht. Gibt vom statistischen Bundesamt ja auch eine Statistik, “Welches Geschlecht haben sie?”. Da sind dann irgendwie über 60% weiblich. Allerdings, und das gibt weder Focus noch sonst eine diese Statistiken verwurstenden Seiten an: “von den Befragten”. Wenn ich mir eine Gruppe von meinetwegen 1.000 Leuten rauspicke, wo nunmal 60% weiblich sind, dann lässt sich das nicht automatisch auf die Bundesbevölkerung hochrechnen.

    Darum sind diese Statistiken Unsinn – und die Redaktionen, die das ungefiltert übernehmen, könnten genausogut gegen Bots ersetzt werden, die das einfach per RSS-Feed aufnehmen, ein wenig aufbereiten und dann ausgeben auf der Seite… ;)


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