Kopierte Doktoren

Die Medien kannten in der vergangenen Woche nur ein Thema: Verteidigungsminister zu Guttenberg und seine Doktorarbeit, welche aus allerlei kopierten Abschnitten zu bestehen scheint. Der (Selbst-)Verteidigungsminister hat dann am Freitag in einer Pressekonferenz darauf hingewiesen, seinen Doktortitel bis zum Ende der Prüfung des Sachverhaltes vorübergehend – und das betonte er – nicht mehr zu führen, danach aber wieder sehr wohl. Sich selbst keiner Schuld bewusst, hat er doch sieben Jahre hart an dieser Arbeit gewerkelt. Am darauffolgenden Wochenende hat er sich mal hingesetzt und seine Arbeit gelesen (vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben?). Und nun die Kehrtwende, das “Guttenberg-Manöver”: Er verzichtet auf das Tragen seines Doktortitels und bittet die Uni Bayreuth in einem Schreiben um die Aberkennung.

Irgendwie haben die Medien da auch etwas missverstanden. Dort ist davon die Rede, Herr zu Guttenberg werde seinen Titel ablegen. Das ist formal garnicht möglich! Er kann drauf verzichten, ihn zu tragen und bei Korrespondenz etwa anzugeben, aber auch ein zu Guttenberg kann nicht einfach so bestimmen, den Titel jetzt nicht mehr zu besitzen. Auch wenn es ihm sicher in den Kram passen würde, wenn da jetzt ganz schnell Gras über die Sache wachsen könnte.

Mit dieser, für ihn schmerzlichen Entscheidung, will er Schaden von seinem Doktorvater und der Universität Bayreuth abwenden… und natürlich auch weiteren Hohn und Spott gegen sich selbst. Ob die Rechnung aufgeht? Vermutlich ja – so traurig das auch ist. Ich halte nicht viel von dieser Schadenfreude, mit der die Häme über den Mann hereingebrochen ist, aber es stellen sich doch einige Fragen. Etwa die, wie derart offensichtlicher Plagiatismus bei der Prüfung der Arbeit nicht auffallen und vor allem mit einem “summa cum laude” belohnt werden konnte. Dahinter kann man einiges vermuten: Schlampige Prüfung, Geld, … was sich letztlich wohl niemals aufklären lassen wird, dafür wird gesorgt sein. Weiterhin muss sich die Frage stellen, aus welchen Quellen sich der gute Mann eventuell bedient hat, die eigentlich garnicht dafür gedacht waren (siehe den Verdacht, dass er sich beim wissenschaftlichen Dienst des Bundestags bedient haben soll). Das alles hat Geschmäckle, wie man neuerdings so schön sagt. Ich würde sagen, es stinkt. Und zwar gewaltig.

Es ist okay, ihn auf seinem Posten als Verteidigungsminister zu belassen. Wäre er allerdings ehrlich und vor allem konsequent, würde er dennoch abziehen. Er entlässt ohne weiteres Wimpernzucken andere und ist bei sich selbst derart inkonsequent? Sorry, aber das taugt nicht zur Führungsperson, sondern ist einfach nur selbstherrlich. Andere werden von ihm für ihre Fehler (karrieretechnisch) geköpft, er selbst verzichtet auf das Führen seines Doktortitels und das wars? Definitiv misst der gute Mann hier also mit zweierlei Maß und das auf eine Art, die ich als einfach nur widerlich empfinde.


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