Es gibt Thesen, die mich mit dem Kopf schütteln lassen. Und es gibt Thesen, bei denen man den Aussprecher am liebsten mit dem Kopf an die Wand klatschen würde – wieder und wieder und wieder.
Nachdem im GamePro-Forum immer wieder die M!Games gelobt wurde, habe ich mir nun mal ein Exemplar dieses Magazins zu Gemüte geführt. 100 Seiten, auch nicht dicker als die GamePro, macht aber aufgrund der Papierqualität schonmal einen wertigeren Eindruck. Auch das Layout spricht mich, bis auf wenige Punkte, durchaus an. Was ich aber garnicht ab kann ist die Verehrung, die manche dieser Zeitschrift entgegenbringen, die jeglicher Grundlage entbehrt. Ein wenig erinnern die Diskussionen mit solchen Leuten an jene mit Konsolen-Fanboys: Meins ist gut, deins ist schlecht – selbst wenn es eigentlich das selbe ist.
Beispiel aus der aktuellen Ausgabe der M!Games: 12 Seiten Special Gamebabes und Cosplay. Würde die GamePro so etwas bringen, wäre es pubertär und billig, hier ist es einfach nerdig und gehört dazu. Im Editorial begründet man dieses Special, dass man über den Tellerrand schauen wolle – letztlich ist es jedoch genauso billig, wie es das in der GamePro wäre. Als Fanboy mag man das anders sehen, ich frage mich allerdings schon, warum bei dem einen etwas pubertär sein sollte und bei einem anderen Magazin nicht…
Den Vogel hat die M!Games allerdings mit dem Einleitungssatz zu Sniper: Ghost Warrior abgeschossen:
Zitat:
Scharfschützen sind in Online-Shootern oftmals verpönt, weil sie sich auf die Lauer legen und aus großer Entfernung schießen, statt dem Feind Angesicht in Angesicht gegenüberzutreten – ‘Camper’ schimpft man solche Spieler!
Liebe Redaktion der M!Games, besonders lieber Herr Ehrle: Ein Sniper und ein Camper sind zwei grundlegend verschiedene Paar Schuhe! Es ist die originäre Aufgabe eines Snipers, sich verdeckt und auf Distanz zum Gegner zu halten und diese so über die Map aufs Korn zu nehmen. Im Nahkampf versagt er in der Regel – auch wenn etwa
Modern Warfare 2 mit Quick- und Noscope gerne mal anderes erzählt. Merke: Unsinn ist Unsinn, egal in welcher Zeitschrift es steht.
Erschreckend daran ist, dass die Leser (oder sollte man hier ebenfalls von Fanboys sprechen?) dieses sogar noch verteidigen – was bei der GamePro Abokündigungsgrund wäre, erfährt hier Zustimmung. So muss ich im GamePro-Forum lesen:
Zitat:
Warum ist Sniper so beliebt? Weil auch Noobs eine Chance haben aus dem Hinterhalt einen anderen Spieler zu killen. Was macht ein Sniper? Er hockt an einem schwer eindehbaren Ort und tötet hinterlistig. Camper = Verweiler, kann man durchaus als Synonym für Sniper benutzen! Denn was für eine Waffe man benutzt spielt im Endeffekt keine Rolle. Entscheidend ist, dass man sich nicht im fairen Zweikampf misst!
Das ist auf vielen Ebenen, mit allem gebührenden Respekt, Bullshit.
1. Noob-Sniper sterben einen verdammt schnellen Tod und reißen nahezu garnichts. Ein bis zwei Zufallstreffer mögen sicherlich drin sein, das war es aber auch schon.
2. Wortdeutung ist so eine Sache. Sicher kann man ‘Camper’ mit ‘Verweiler’ übersetzen, allerdings ist dies nunmal beim Sniper kein campen, sondern snipern. Auch ein Supporter, etwa mit einem leichten Maschinengewehr, verweilt des öfteren, um seinem Team etwa mit Sperrfeuer den Sturmangriff zu ermöglichen. Auch das ist kein Campen. Campen bedeutet, sich mit Sturmgewehr, Shotgun, Pistole oder ähnlichem in eine Ecke zu hocken und die vorbeirennenden Gegner so auszuschalten. Dem Camper fehlt in der Regel die Distanz, die nur dem Sniper zueigen ist.
3. Was macht den Zweikampf fair? Jede Klasse und jede Waffe hat ihre Eigenheiten, ihre Vor- und Nachteile. Fair wird der Kampf, wenn alle die gleiche Waffe verwenden würden. Stattdessen muss sich aber jeder Spieler mit den Gegebenheiten seines Waffen-Setups “herumschlagen” und die Vorteile daraus für sich nutzen. Ein Runner hat die Wendigkeit als Vorteil, der Sniper die Distanz und Tarnung, der Sturmtrupp die höhere Schußfrequenz und so weiter. Und so wird es eben doch wieder fair – weil jeder eine Stärke und eine Schwäche hat.
Sorry, aber wenn man keine Ahnung hat, sollte man besser die Fresse halten. Snipern ist etwas grundsätzlich anderes als campen – und wer das nicht begreift, hat Shooter nicht begriffen. Tut mir einen Gefallen und spielt Barbie und die Wildpferde, da sollten Leute mit solchen Thesen besser aufgehoben sein!